Am Montag, den 10. Februar 2025, trafen sich elf Studierende der archäologischen Fächer der Universität Bonn am Mainzer Bahnhof zum Start einer viertägigen Exkursion. Ziel der Reise war einerseits das Kennenlernen von zwei wichtigen römischen Städten unterschiedlicher Prägung, Mogontiacum und Augusta Raurica, vor allem aber auch, einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten archäologischer Forschung und Berufsfelder zu erhalten.
Am Montag stand zunächst ein ausgedehnter Spaziergang durch das römische Mainz auf dem Programm mit Besuch an der Gräberstraße in Weisenau, dem Drususstein und den Resten des Aquäduktes. Schließlich führte der Weg über das Römertor auf dem sogenannten Kästrich, dem Hochplateau, auf dem einst das Doppellegionslager stand, hinunter in die Stadt zum Isis und Magna Mater-Heiligtum.
Am Dienstagvormittag ging es in das LEIZA. Das Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz, ehemals Römisch-Germanisches Zentralmuseum, ist eine archäologische Forschungsanstalt mit etwa 200 Mitarbeitern und einer beeindruckenden Sammlung von Originalen und hochqualitativen Kopien. Durch Führungen erhielten die Studierenden vertiefte Einblicke in die Arbeitsweisen der Restaurierungs- und Kopierwerkstätten, die Laboratorien mit raumfüllenden Analysemaschinen, das Museum mit einer im Aufbau befindlichen Ausstellung zur Geschichte der Menschheit und schließlich die Sammlung und Archive der Institution.
Eindrucksvoll sind nicht nur die technischen Möglichkeiten des LEIZA, sondern auch die Chancen und Herausforderungen, welche sich durch den vor zwei Jahren erfolgten Umzug der Sammlung mit rund 200.000 Objekten in die neuen Räumlichkeiten ergaben – bis hin zur wesentlichen Frage, welche genaue Machart die Archivschachteln haben sollen, um kommende Generationen zu überdauern.
Nach einem Besuch im Landesmuseum Mainz mit einer Einführung zur Polychromie römischer Skulptur und Architektur und der Weiterreise nach Basel konnte am Mittwoch die Römerstadt Augusta Raurica besucht werden. Auf zwei Führungen durch aktuelle Grabungen lernten die Studierenden die neu rein digitale angewandte Dokumentationsmethodik in Kaiseraugst kennen und sahen, mit welchen Informationen und in welchem Zustand die Funde zur Weiterverarbeitung ins Sammlungszentrum gelangen. Dabei und bei einem kurzen Rundgang durch das Ruinengelände sammelte sich allerhand Lehm an den Schuhen, der sich dann am Nachmittag, langsam trocknend, in den Räumlichkeiten des neuen Sammlungszentrums wieder ablöste und verteilte – auch das eine der Realitäten der archäologischen Arbeit. Im Sammlungszentrum konnte dann detailliert nachvollzogen werden, wie die neuankommenden Funde gereinigt und inventarisiert, bestimmt und archiviert werden. Spannend war der Vergleich der in Mainz und Augst jeweils leicht unterschiedlichen Lagerungsbedingungen und -philosophien. Zum Abschluss gab es eine Präsentation zu einem technologisch überaus anspruchsvollen Pilotprojekt zur Materialanalyse im Innern von Edelmetallfunden, die in Zusammenarbeit mit dem Paul-Scherrer-Institut in Baden durchgeführt wird.
Der Donnerstag war schließlich den Museen Basels gewidmet: der Skulpturhalle mit einem weltweit einzigartigen Bestand von Abgüssen der Parthenonskulpturen und dem Antikenmuseum mit besonderen Highlights in der Vasensammlung. Gegen Abend erfolgte die individuelle Heimreise.
Eindrucksvoll konnte in den vier Tagen Exkursion nachvollzogen werden, wie vielfältig konkrete Berufsfelder in der Archäologie aussehen und wie institutionelle Forschung in der Praxis funktionieren kann. Auch wenn ein universitäres Studium nicht in erster Linie für ein konkretes Berufsfeld ausbildet, sondern Bildungsgrundlagen vermittelt, so gehört doch die Kenntnis dieser Felder und der praktischen Umsetzung von Forschung unabdingbar zum Studium.
Ein Bericht von Dr. Matthias Grawehr, Johannes Gutenberg-Universität Mainz | Institut für Altertumswissenschaften (IAW) | Arbeitsbereich Klassische Archäologie